In den letzten Tagen ist die Meldung über die Auslieferung von Hamza Kaschgari von Malaysien nach Saudi Arabien durch die Medien gegangen. In Saudi Arabien droht ihm die Todesstrafe. Sein Verbrechen: Er hat auf Twitter ein fiktives Gespräch mit dem Propheten Mohamed geführt, in dem er (vergleichsweise vorsichtige) Kritik an dem Propheten geübt hat. Unter anderem schrieb er: „An deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen und nicht Deine Hand küssen.“
Erschütternd ist nicht nur die Reaktion von offizieller Seite in Saudi Arabien, dass ja für seine barbarischen Strafen und den völligen Mangel an Glaubensfreiheit und religiöser Toleranz bekannt ist, erschreckend ist auch die Reaktion im Internet. Zehntausende Saudis haben sich bereits als virtueller Lynchmob in einer Facebook Gruppe versammelt und fordern seine Hinrichtung. Dass die Menschen, die seine Hinrichtung fordern, mit ihrem Weltbild geistig im tiefsten Mittelalter verblieben sind, zugleich aber ganz selbstverständlich modernste Technologie benützten – Technologie, die ausschließlich von den von ihnen so leidenschaftlich gehassten Ungläubigen im verhassten Westen, Christen, Juden, Atheisten erfunden worden ist – es ist eine der Paradoxien der islamischen Welt.
Saudi Arabien ist ein besonders deprimierendes Beispiel dafür, dass weder Wohlstand (finanziert durch Petrodollars) noch technologischer Fortschritt auch nur ansatzweise zu aufgeklärtem Denken führen muss. Ein saudischer Prinz mag keinen Widerspruch darin sehen, sich als Wochenendunterhaltung zunächst live in Riad die Hinrichtung einer Frau wegen Ehebruch oder Hexerei anzuschauen und anschließend mit dem Privatjet nach Monte Carlo zu fliegen und dort auf seiner Yacht mit leichtbekleideten Frauen eine Party zu schmeissen. Und auch die Ayatollahs im Iran scheinen kein Problem damit zu haben, sich von Wissenschaftlern eine Atombombe bauen zu lassen, mit deren Einsatz sie hoffen die Wiederkehr den verschollenen Mahdi und ihren Einzug ins Paradies herbeiführen zu können. Atomphysik im Diesseits und 72 Jungfrauen im Jenseits schließen sich offenbar nicht aus, wenn man nur fest daran glaubt.
Es wäre zu wünschen, dass der Fall Hamza Kaschgari, der nun immerhin das Interesse der westlichen Medien erregt hat, die Internet Commuity in Europa und den USA alarmiert und mit Hamza Kaschagri solidarisiert. Wenn nur ein Bruchteil des Protests, der sich zuletzt gegen den ACTA formiert hat, gegen die Verantwortlichen in Saudi Arabien richten würde, besteht Hoffnung. Und es wäre auch zu wünschen, dass dieser Fall klarmacht, dass Islamkritik, sofern sie sich sachlich mit dem Glauben und der Ideologie auseinandersetzt und nicht pauschal Bevölkerungsgruppen diskreditiert, überhaupt nichts mit Rechtsextremismus und Rassismus zu tun hat. Im Gegenteil: Wer heute glaubhaft für Menschenrechte weltweit eintritt, muss kritisch zu einer Ideologie Stellung nehmen, für welche Glaubensfreiheit ein todeswürdiges Verbrechen ist.
