Monatsarchiv: Februar 2012

Der Fall Hamza Kaschgari: Twitter, Facebook, IPhone und Steinigung

In den letzten Tagen ist die Meldung über die Auslieferung von Hamza Kaschgari von Malaysien nach Saudi Arabien durch die Medien gegangen. In Saudi Arabien droht ihm die Todesstrafe. Sein Verbrechen: Er hat auf Twitter ein fiktives Gespräch mit dem Propheten Mohamed geführt, in dem er (vergleichsweise vorsichtige) Kritik an dem Propheten geübt hat. Unter anderem schrieb er: „An deinem Geburtstag werde ich mich nicht vor Dir verbeugen und nicht Deine Hand küssen.“

Skandalös ist nicht nur das Vorgehen der Behörden in Malaysien und Saudi Arabien, letzteres ist ja für seine barbarischen Strafen und das absolute Fehlen von Glaubensfreiheit und religiöser Toleranz bekannt, wirklich erschreckend ist auch die Reaktion im Internet: Zehntausende Saudis haben sich bereits als virtueller Lynchmob in einer Facebook Gruppe versammelt und fordern seine Hinrichtung. Dass die  Menschen, die seine Hinrichtung fordern, mit ihrem Weltbild geistig im tiefsten Mittelalter stecken geblieben sind, zugleich aber ganz selbstverständlich modernste Technologie benützen – Technologie, die ausschließlich von den von ihnen so leidenschaftlich gehassten Ungläubigen im verhassten Westen, Christen, Juden, Atheisten erfunden worden ist – es ist eine der Paradoxien der islamischen Welt.

Saudi Arabien ist ein besonders deprimierendes Beispiel dafür, dass weder Wohlstand (finanziert durch Petrodollars) noch der selbstverständliche Konsum modernster Technologie auch nur ansatzweise zu aufgeklärtem, rationalem Denken führen muss.  Viele Saudis werden keinerlei Widerspruch darin sehen, wenn sie  in Riad die Hinrichtung einer Frau wegen Ehebruch oder Hexerei mit ihrem Iphone (Designed in California,  Made in China) filmen.

Ein saudischer Prinz, der übers Wochenende mit seinem Privatflugzeug nach Monte Carlo  jettet und auf seiner Yacht Parties mit  leicht bekleideten Frauen, (maximal) in Bikini und jedenfalls ohne Burka feiert, mag  schon ein paar Tage später (fast) genauso leidenschaftlich das Auspeitschen autofahrender Frauen oder die Hinrichtung von Konvertiten unterstützen. Sollte er dann dennoch ein schlechtes Gewissen bekommen, weil er sich erinnert, dass der Champagner auf der Yacht doch nicht ganz halal war, wird regelmäßig der Spendenscheck gezückt  und der Grundstein für eine neue Moschee gelegt, gerne auch in Europa – wenn man Glück hat und der Heilige Krieg nicht auf weniger subtile Weise unterstützt wird.

Ipad, Iphone, Burka und Steinigung – Saudi Arabien im 21. Jahrhundert, also im Jahr 1433.

Und auch die Ayatollahs im Iran  scheinen kein Problem damit zu haben, sich von Wissenschaftlern eine Atombombe bauen zu lassen, mit deren Einsatz sie hoffen die  Wiederkehr den verschollenen Mahdi und ihren Einzug ins Paradies herbeiführen zu können. Atomphysik im Diesseits und 72 Jungfrauen im Jenseits schließen sich offenbar nicht aus, wenn man nur fest daran glaubt.

Es wäre zu wünschen, dass der Fall Hamza Kaschgari, der nun immerhin zumindest kurzfristig das Interesse der westlichen Medien erregt hat, die Internet Commuity in Europa und den USA alarmiert und mit Hamza Kaschgari solidarisiert.

Wenn nur ein Bruchteil des Protests, der sich zuletzt gegen ACTA formiert hat, gegen die drohende Hinrichtung von Hamza Kaschgari in Saudi Arabien richten würde, bestünde zumindest ein wenig Hoffnung, sein Leben zu retten. Voraussetzung wäre natürlich, dass sich das Engagement für Freiheit im Internet von Piraten und co nicht auf das Recht auf Piratebay und Youporn beschränkt.

Es wäre auch zu wünschen, dass dieser Fall klarmacht, dass Islamkritik, sofern sie sich sachlich mit dem Glauben und der Ideologie  auseinandersetzt und nicht pauschal Bevölkerungsgruppen diskreditiert, nichts mit Rechtsextremismus und Rassismus zu tun hat. Im Gegenteil: Wer heute glaubhaft für Menschenrechte weltweit eintritt, muss kritisch zu einer Ideologie Stellung nehmen, für welche Glaubensfreiheit ein todeswürdiges Verbrechen ist.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized