Monatsarchiv: März 2012

Der „Terrorexperte“ aus Österreich

Zum Terroranschlag in Toulouse führt der Standard mit dem österreichischen „Terrorexperten“ Franz Eder von der Universität Innsbruck ein Interview:

http://derstandard.at/1332323439138/Interview-Ich-bin-froh-dass-die-Geheimdienste-Fehler-machen

Standard: Was hat antifranzösischer Islamismus aus Nordafrika mit Gotteskriegern in Pakistan zu tun?

Eder: Im globalen Terrorismus geht es nicht darum, ob jemand aus Pakistan oder Nordafrika kommt. Diese Personen fühlen sich als Teil einer Gemeinschaft, die nicht ortsbezogen ist.

Standard: Inwieweit hat Tagespolitik Einfluss auf solche Menschen und ihre Handlungen?

Eder: Sie hat großen Einfluss. Wenn Sarkozy ein Klima erzeugt, das sich gegen Minderheiten und Andersdenkende richtet und mit rechten Parolen versucht, Marine Le Pen Stimmen wegzunehmen, spüren das diese Personen. Das kann der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Standard: Ein Wahlkampf kann also eine solche Tat auslösen?

Eder: Auf alle Fälle. Ich würde auch der Politik Sarkozys Mitschuld geben. Es ist ihm nicht gelungen – genauso wenig wie den Sozialisten vor ihm – die Situation dieser jungen Menschen mit Migrationshintergrund massiv zu verbessern.

Nur noch einmal zur Erinnerung: Es geht bei dem Interview um den Mord an 7 Menschen. Um einen Täter, der drei jüdischen Kindern aus nächster Nähe in den Kopf geschossen hat. Wie der Kurier zum Mord an der achtjährigen Miriam Monsonego ausführt: Der Angreifer packt sie an den Haaren, setzt ihr die Pistole an den Kopf. Die hat Ladehemmung. Worauf der schwarz gekleidete Mann, während er die weinende Tochter des Schuldirektors noch immer an den Haaren zerrt, seelenruhig eine andere Waffe zieht und ihr in den Kopf schießt.

Für den Herrn „Terrorexperten“ zählt der Judenmörder  und Kindermörder ebenso wie andere „Gotteskrieger“ zu den „Andersdenkenden“, zu einer „Minderheit“, gegen die mit rechten Parolen versucht wird, Stimmung zu machen. Sarkozys Politik habe Mitschuld, weil es ihr nicht gelungen sei, die Situation solcher Menschen massiv zu verbessern.

Ich habe das Interview drei mal lesen müssen. Hat er das tatsächlich so gesagt? Er hat. Und der Standard Redakteur ist mit den Antworten auf seine Fragen offenkundig zufrieden, verzichtet er doch auf jede Nachfrage, ob der Herr Terrorexperte tatsächlich meint, was er da so von sich gibt.

Nicht dass es mich noch irgendwie erstaunen würde, dass man um in Österreich als Terrorexperte zu gelten, vom Thema Terrorismus keine Ahnung zu haben braucht oder dass der Standard beim Thema islamischer Extremismus sachliche Analysen und die Realität schon aus prinzipiellen Gründen verweigert. Aber der Inhalt des Interviews macht dennoch fassungslos.                                                                                                                           Man stelle sich vor ein „Experte“ hätte in einem Zeitungsinterview  zu der Mordserie der NSU-Attentäter in Deutschland gemeint, Mitschuld an den Taten habe Frau Merkel, weil sie die Situation der jungen Menschen mit Neonazi-Hintergrund nicht massiv verbessert habe. Zum ideologischen Hintergrund der Tat, zum allgegenwärtigen extremen (durch Koran und Hadithen religiös legitimierten) Antisemitismus in der islamischen Welt und auch unter den in Europa lebenden Muslimen, welcher den Nährboden für diese Tat bildet, findet der „Terrorexperte“ hingegen kein Wort. Als Terrorexperte in Innsbruck kann man dann auch ruhig „froh sein, wenn die Geheimdienste Fehler machen“, schließlich ist ein islamistischer Terroranschlag in der Tiroler Metropole eher unwahrscheinlich. Würde der Herr Terrorexperte zu den hunderttausend französischen Juden zählen, die aufgrund des latenten islamischen Antisemitismus in Frankreich,  ein Leben in Israel – trotz Terrorismus und Kriegsgefahr – vorziehen, würde er sich aber vermutlich auch wünschen, dass die Geheimdienste weniger Fehler machen.

Mein tiefes Beileid an die Angehörigen der Opfer.

Und, im Gegensatz zu Herrn Eder, hoffe ich, dass sich die Situation von Leuten wie die des Täters in Zukunft in Frankreich massiv verschlechtern wird, ansonsten würde Sarkozy bei einem neuerlichen Anschlag möglicherweise tatsächlich eine Mitverantwortung treffen.

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