Monatsarchiv: November 2012

Israel und die Hamas. Wie viele Raketen hätte es denn noch gebraucht?

Angesichts der Nahostberichterstattung vieler Medien in Österreich (ORF, derStandard, Kleine Zeitung etc), würde ich gerne unseren  heimischen „Nahostexperten“ eine Frage stellen:

Ist eine Situation auch nur denkbar, in der Israel einmal nicht als der Aggressor dargestellt wird, sondern als Land, das sich und seine Bevölkerung verteidigt?

Konkret: Wie viele hundert bzw. wie viele tausend Raketen aus dem Gazastreifen hätte Israel noch erdulden müssen bevor es ein Recht hat, sich zu verteidigen?

Nur weil es vielen Journalisten offenbar entgangen ist. Es hat in den letzten Jahren über 9.000 Raketenangriffe aus dem Gaza Streifen auf Israel gegeben, wobei sich die Situation in den letzten Wochen noch dramatisch verschäft hat. Hunderttausende Israelis müssen mit täglichen Raktenalarm leben.

Der tägliche Raketenterror der Hamas –  der „Dank“ dafür, dass Israel sämtlich jüdische Siedlungen im Gazastreifen geräumt hat – ist übrigens der Grund dafür, dass es ein Embargo über den Gazastreifen gibt – nicht israelische Willkür oder Tyrannei.

Im Falle von Israel spielt für Journalisten der Unterschied zwischen Terroristen, die gezielt versuchen so viele Zivilisten wie möglich zu ermorden und einem Staat, der bei der Verteidigung seiner Bevölkerung zivile Opfer auch auf der anderen Seite so weit wie möglich zu vermeiden versucht, keinerlei Rolle.

Die Hamas (und Hisbollah) bauen ihre Raktenenabschussrampen und Waffenlager bewusst in dicht bebautes Gebiet, bevorzugt in der Nähe von Schulen. Und wie ein Hisbollah Kommandant bereits vor dem Libanon Krieg freimütig eingeräumt hat, ist es eine Win-Win Situation. Entweder die Raketen treffen Israel oder die Bilder von toten Zivilisten gehen um die Welt und die empörte Weltöffentlichkeit kann Israel wieder ein „Massaker“ vorwerfen.
Jeder tote palästinensische Zivilist ist eine Niederlage für Israel und ein PR-Triumph für die Hamas. Erst die Medien haben dieses zynische Spiel möglich gemacht.

Und während Israel verwundete und kranke Palästinenser kostenlos in israelischen Krankenhäusern versorgt (die Lebenserwartung im Gazastreifen ist höher als im benachbarten Ägypten und der Türkei!), zelebriert die Hamas die Ermordung israelischer Zivilisten als Volksfest.

Die Obsession mit Israel als ewiger Sündenbock für Alles im Nahen Osten, hat sämtlichen Diktatoren, Terroristen und Extremisten einen Freibrief für ihre Verbrechen gegeben und unsere Medien spielen willig mit. Ich habe nach meinem Studium im Asylbereich gearbeitet und kenne die Situation gerade in den arabischen Ländern sehr gut. Die islamische Welt im Allgemeinen und die arabische im Besonderen ist eine weitgehend menschenrechtsfreie Zone, in der selbst die unfassbarsten Menschenrechtsverletzungen Alltag sind. So sehr Alltag, dass sie für Journalisten in der Regel nicht einmal eine Randnotiz wert sind. Zugleich kann sich jeder Despot und Massenmörder in der islamischen Welt beim Nahostkonflikt vor der Weltöffentlichkeit als Menschenrechtsaktivist verkaufen.

Persönlich mache ich mir keine Illusionen, was eine Lösung des Nahostkonflikts betrifft. Denn beim Nahostkonflikt geht es in Wahrheit nicht um die Palästinenser, nicht um israelische Siedlungen oder Land (Israel ist ca so groß wie Niederösterreich) und schon gar nicht um Menschenrechte, welche von Organisationen wie der Hamas schon aus religiösen Gründen verabscheut werden.  Es geht darum, dass Israel als Sündenbock, Hassobjekt und Inhalt für die allgegenwärtigen Verschwörungstheorien für die islamische Welt unverzichtbar ist.

So kenne ich auch in Österreich durchwegs gebildete Muslime, die ganz selbstverständlich anmerken, dass Israel nicht nur jedes Problem der islamischen Welt – von Algerien bis Indonesien – verantwortlich sei, sondern auch, je nach Anlass, für Aids, Krebs, Tsunamis und Erdbeben – was im übrigen in arabischen Ländern ganz offiziell in Schulbüchern und im Staatsfernsehen propagiert wird. Bei der Analyse von Problemen das eigene Weltbild, die eigene Kultur oder gar Religion zu hinterfragen, ist schließlich keine Alternative – zumindest keine, die ihnen unsere Journalisten zumuten wollen.

Daher bleibt  die Nahostberichterstattung wohl auch in Zukunft faktenfrei. Und die anfangs gestellte Frage, wie viele Raketen es denn noch gebraucht hätte – angesichts der „Nahostexperten“ in unseren Medien kann eine solche Frage bloß rhetorisch gemeint sein.

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