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Der Terror von Toulouse und die Verantwortung der Medien – weshalb vieles dafür spricht, dass die Medien die Morde verhindern hätten können.

Ich ahnte schon was geschrieben werden würde, als ich von den Morden in Toulouse gehört hatte.  Da ich derzeit wenig Zeit habe, mich zu ärgern – und noch weniger Zeit Kommentare zu schreiben – wollte ich den Medienkonsum diesbezüglich auf ein Minimum reduzieren. Doch auch ein Blick in den „Standard“ war schon zu viel und deshalb im Folgenden mein Kommentar. Für die Leser aus Deutschland: In Österreich gilt die Tageszeitung „der Standard“ als „Qualitätsmedium“ und erfahrungsgemäß ist er bei bestimmten Themen durchaus repräsentativ für andere „Qualitätsmedien“ in Europa. Daher im Folgenden anhand die Berichterstattung des Standards der Versuch einer Antwort auf die Frage, ob drei jüdische Kinder und vier erwachsene Männer noch leben könnten, wenn die Medienberichterstattung in Europa eine andere gewesen wäre.

Das klingt zugegeben provokant – ist es aber (leider) nicht.

Das sind die fünf Überschriften im Standard zu den Analysen über Täter und die Hintergründe der Tat:  Der Einzeltäter, der aus dem Ghetto kam: Die Schreckenstat erfolgte vor einem ganz bestimmten sozialen, urbanen und postkolonialen Hintergrund.“ „Islamismus als Symptom: Eine Erklärung für das Blutbad von Toulouse ist gesellschaftliche Marginalisierung.“. „Psychologe:  „Täter nutzen die politische Sache nur als Vehikel“. „Ich bin froh, dass die Geheimdienste Fehler machen“: Politologe Franz Eder argumentiert, dass Sarkozy aufgrund seiner Politik einen Teil der Schuld an den Attentaten trägt.“ „Toulouse im toten Winkel: Die französischen Präsidentschaftskandidaten blenden die sozialen Hintergründe der Toulouse-Morde aus.“

Die Standard Redaktion hat sich mächtig ins Zeug gelegt: Nachdem man sämtliche Berichte und Analysen gelesen hat, kann es nur einen Schluss geben: Der islamischer Terror hat (wieder einmal) nichts mit Islam zu tun, aber viel mit sozialen Problemen, gesellschaftlicher Marginalisierung und rechter Parolen von Sarkozy.

Sollte dennoch beim Leser Zweifel aufkommen, weil der Täter sich wirklich alle Mühe gegeben hat, der Polizei vor der Erstürmung seine religiöse Motivation zu erklären und sich noch die Zeit genommen hatte das Video der Morde mit Koransuren zu unterlegen, bietet der Standard noch den deutschen Psychologen  Jens Hoffmann  auf, der den Täter zu Sicherheit per Ferndiagnose für psychisch krank erklärt und mit ärztlicher Autorität eindringlich vor einer „Überislamisierung solcher Taten und die Dämonisierung des Islams“ warnt.

Und für den Fall, dass dann immer noch Fragen nach dem Motiv— abseits sozialer Probleme, Diskriminierung und rechter Parolen —  übrig bleiben, muss Christoph Prantner vom Standard dem Leser, der auf Aufklärung hofft, enttäuschen: „Die Frage nach dem „Warum“, nach M.s Motiv, ist nicht mehr hinreichend zu beantworten. Viele der Hintergründe, die zu den Morden von Toulouse führten, werden durch den Tod des 23-Jährigen für immer im Dunklen bleiben.“

Und da beginnt nun die Verantwortung der Medien. Denn für immer im Dunkeln bleiben die Hintergründe, wenn es nach den Medien geht, bei jedem islamischen Terroranschlag, spätestens seit 9-11, als sich 19 Attentäter auf den Weg gemacht haben, tausende Menschen zu ermorden – 15 der durchwegs wohlsituierten Terroristen kamen ebenso wie der Drahtzieher, ein Milliardärssohn und Multimillionär, aus Saudi Arabien – einem der reichsten Länder der Welt (dank Petrodollars) und jedenfalls einem der islamischsten Ländern der Welt. Keiner der Attentäter war ein Sozialfall, aber jeder war fest davon überzeugt, dass ihm in der Sekunde des Todes der Einzug ins Paradies sicher ist.

Dabei ist der Hintergrund, weshalb der Täter gezielt jüdische Kinder ermordet hat, für jeden, der von der islamischen Welt auch nur ein wenig Ahnung hat, offenkundig: Bereits Kinder lernen Koransuren, in denen Juden als Feinde Gottes verdammt werden und Hadithe, die zum Kampf gegen Juden (und andere Nichtmuslime) aufrufen.

http://www.youtube.com/watch?v=Vtt8V25lGmc&feature=related )

Der populärste islamische Fernsehprediger al-Qaradawi– den westliche Medien gerne als „moderaten Islamisten“ bezeichnen, mit Millionen Zuschauern auch in Europa, preist in seinen wöchentlichen Fernsehauftritten auf Al Jazeera Hitler als von Gott Gesandten, der mit dem Holocaust die gerechte Strafe Gottes für die Juden vollzogen hatte. Und wer als Österreicher jemals in der arabischen Welt war und Kontakt mit Einheimischen hatte, ist peinlich berührt über die Komplimente, die man als Österreicher aufgrund seiner Herkunft bekommt hat – und das nicht wegen unserer erfolgreichen Schifahrer.

Der Mörder von Toulouse schoss den Kindern nicht aufgrund sozialer Probleme oder rechter Parolen von Sarkozy aus nächster Nähe in den Kopf.  Er mordete, weil er ganz real daran glaubte, im Jenseits dafür belohnt zu werden. Und in seiner islamischen Logik konnte das durchaus Sinn machen, schließlich ist es im Grunde das, was in der islamischen Welt jeden Tag  von sogenannten „moderaten Islamisten“ und anerkannten Religionsführern von Kairo bis Teheran gepredigt wird. Die Hamas, der palästinensische Ableger der Muslimbruderschaft, welche viele westlichen Medien bereits als aufrechte Demokraten im arabischen Frühling feiern, ruft in ihrer Charta ausdrücklich zur Vernichtung der Juden auf – nicht „nur“ in Israel, sondern weltweit. Der Mörder von Toulouse mag daher bei der Tatausführung alleine gehandelt haben, ein Einzeltäter war er aber jedenfalls nicht. Viele „moderate Islamisten“ haben ihm zu dieser Tat ermuntert. Und während die Medien, den Täter noch zum Opfer sozialer Umstände, Diskriminierung und rechter Parolen erklären, ist er wie ein Blick auf einschlägige Internetforen und Kommentare unter (österreichischen) Youtube Videos zeigt, bei vielen, auch in Österreich lebenden, Muslimen bereits ein Held. http://sosheimat.wordpress.com/2012/03/22/osterreichische-islamisten-im-geiste-vom-toulouse-killer/

So wie einst Bin Laden –  der beispielsweise in Indonesien nach dem 11. September im Jahr 2003, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land, das gerne als Musterbeispiel für einen moderaten Islam herhalten darf, eine Zustimmungsrate von 58 % gehabt hatte. http://www.pewglobal.org/2005/07/14/iv-how-muslims-view-relations-with-the-world/

Auf der Suche nach der Verantwortung der Medien muss man ein Jahrzehnt zurückgehen. Man stelle sich vor, der 11. September wäre Anlass genug gewesen, für Journalisten sich sachlich mit dem Thema Islam auseinanderzusetzen – und sie hätten den Koran, die Hadithe und andere islamische Quellen studiert, hätten analysiert aus welchen religiösen Texten Bin Laden und andere islamische Terroristen ihre Rechtfertigung für Gewalt beziehen.

Man wäre zum Ergebnis gekommen, dass der Islam in wesentlichen Fragen nicht mit Menschenrechten und rechtsstaatlicher Demokratie vereinbar ist – was nun wirklich wenig erstaunlich ist, für ein Rechts- und Gesellschaftssystem (und eben nicht nur ein Glaubenssystem), welches im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel entstanden ist und das von seinem Wesen her, weder veränderbar noch verhandelbar ist.

Man stelle sich vor, der 11. September 2001 wäre in den Medien und in Folge auch in der Politik und in den Schulen der Beginn einer offenen, ehrlichen, auf Fakten basierenden Diskussion zum Thema Islam gewesen  – ohne Hetze, dafür aber umso mehr im Sinne von Wahrheitsfindung und Aufklärung.

Zu diesem Zeitpunkt wäre der Mörder von Toulouse rund 12 Jahre alt gewesen.

Man stelle sich vor, er wäre in einem Land aufgewachsen, wo ihm von den Medien ganz selbstverständlich vermittelt worden wäre, dass es im 21. Jahrhundert keine Schande ist über seine eigene Religion und sein Weltbild sachlich und auch kritisch nachzudenken. Dass sein Wert als Mensch und seine Identität nicht zwingend vom Glauben seiner Eltern abhängen muss.

Dass aufgeklärtes, rationales Denken keine Sünde ist, die ihm in die Hölle bringt, sondern die Grundlage für  Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte, welche wiederum seiner Familie ermöglicht haben, nach Frankreich einzuwandern und die Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dass Europa und Frankreich zwar nicht perfekt sind und es gesellschaftliche und soziale Probleme gerade auch für Einwanderer gibt, aber dass es hier bei allen Problemen, objektiv betrachtet um Lichtjahre besser ist als alles, was Gesellschaftsordnungen, die auf dem Islam basieren und welche seine Eltern bewusst verlassen haben, je hervorgebracht haben.

Man hätte auch ganz einfach erklären können, dass der Umstand, dass von der Glühbirne bis zum PC, vom Handy bis zum Spaceshuttle (oder seinem 3er BMW) sämtliche technischen Errungenschaften von „Ungläubigen“  und nicht von „Gläubigen“ erfunden worden sind, kein weiterer Beweis für eine jüdisch-amerikanische Weltverschwörung  ist,  sondern daran liegt, dass für die „Ungläubigen“ im Westen rationales, wissenschaftliches Denken im Gegensatz zu den „Gläubigen“ in Ländern wie Saudi Arabien kein todeswürdiges Verbrechen ist. Oder auch, dass wir dank Wissenschaft heute wissen, dass – entgegen dem Koran—  die Sonne sich nicht um die Erde dreht, die Erde nicht die Form eines Teppichs hat und ein Ort in Saudi Arabien nicht der Mittelpunkt des Universums sein kann.

Aber in einem solchen Land ist er nicht aufgewachsen. Er ist in einem Land und auf einem Kontinent aufgewachsen, in dem Medien und in Folge der Großteil der Politik das Thema Islam zu einer aufklärungsfreien Zone erklärt haben und selbst die simpelsten Wahrheiten in der öffentlichen Diskussion nicht zumutbar sind.

In diesem aufklärungsfreien Raum haben Extremisten ein leichtes Spiel, denn im Gegensatz zu Journalisten können sie Koran und die Hadithe zitieren und werden in jeder Diskussion, in der man bereits im Vornhinein außer Streit gestellt hat, dass der Islam nach Europa gehört, die besseren Argumente haben. So kommen zuerst die Journalisten und in Folge ein Christian Wulff und erklären, dass der Islam nach Deutschland gehört und dann kommt ein Pierre Vogel und erklärt was nun tatsächlich alles nach Deutschland gehört.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass in einer Zeit, in welcher der Zugang zu Wissen noch nie so leicht war wie heute, es für eine Ideologie, die das Weltbild einer Stammesgesellschaft des 7. Jahrhunderts widerspiegelt – und selbst für damalige Verhältnisse kaum als progressiv bezeichnet werden kann –  so problemlos möglich ist, sich gegen eine Wissensgesellschaft in Europa des 21. Jahrhundert zu behaupten. Ein Schüler könnte heute mit einem Smartphone innerhalb von 5 Minuten, die wesentlichen Fakten recherchieren, mit der er jeden Mufti in Saudi Arabien und jeden Ayatollah im Iran als Märchenonkel bloßstellen könnte.

Dass in Europa des 21. Jahrhunderts  – in einem Medienzeitalter – das Weltbild des  7. Jahrhunderts an Boden gewinnt, ist nur möglich, da sich die Meinungsmacher darauf eingestellt haben, wegzuschauen, die Realität zu verweigern und zu verharmlosen – und in Folge die Abwehrmechanismen einer Demokratie gegenüber ihren Feinden vollends versagen.

Besonders deprimierend ist, dass insbesondere linksliberale Medien (wie der Standard) am beharrlichsten die Toleranz gegenüber der Intoleranz predigen und dafür bereit sind bei jeder noch so gravierenden Menschenrechtsverletzung – von der völligen Entrechtung der Frau bis hin zu mörderischem Antisemitismus wegzuschauen oder die Ursachen zu vernebeln. Systematisches Weghören und Wegsehen – im Umgang mit totalitären Ideologien haben die Journalisten von der Geschichte nichts gelernt.

Die Frage, ob der Mörder von Toulouse nicht zum Mörder geworden wäre, hätte es in den Medien – und in Folge auch in der Politik und in den Schulen – eine sachliche und aufgeklärte Islamdiskussion gegeben, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten.

Eine aufgeklärte Islamdiskussion in den Medien und in der Öffentlichkeit hätte aber jedenfalls dazu geführt, dass in Europa des 21. Jahrhunderts für deutlich mehr Menschen mit islamischem Migrationshintergrund aufgeklärtes, rationales Denken im Bezug auf die eigene Religion kein absolutes Tabu mehr wäre. Dass zumindest gebildete Muslime nicht jede auch noch so absurde antisemitische Verschwörungstheorie sofort als absolute Wahrheit annehmen würden und dass heute weniger und nicht deutlich mehr Musliminnen als noch vor 20 Jahren sich unter einem Kopftuch verstecken würden. Sie hätte dadurch Integration entscheidend gefördert und das Leben für islamische Extremisten, welche heute ihr Weltbild ungehindert Kindern und Jugendlichen indoktriniert können, deutlich schwerer gemacht.

So gesehen spricht vieles dafür, dass die Opfer von Toulouse noch leben würden, hätten sich die Medien nach 9-11 für Aufklärung statt Realitätsverweigerung entschieden.

„Islamfeindlichkeit ist wie eine Krankheit“, zitiert der Standard wenige Tage nach dem Terror von Toulouse in einer Überschrift den Präsidenten der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Man will sich gar nicht vorstellen, was noch geschehen müsste, damit Journalisten dem widersprechen.

PS: Die Hintergründe der Tat in 3 Minuten:

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