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Im Zweifel überall Ahnungslose. Sehr geehrter Herr Augstein!

Weshalb ich Ihnen  – mit Blick auf Ihr Kommentar Überall Antisemiten – gerne glauben möchte, dass Sie kein Antisemit sind, aber weshalb,  sofern man die Fakten beim Nahostkonflikt nicht ganz ignoriert, zunächst einmal Vieles dafür spricht, dass Sie einer sind.

Wenn man wie ich – als nichtjüdischer Österreicher – ein Israelfreund ist,  ist das selten Zufall, sondern in der Regel Folge dessen, dass man sich irgendwann einmal mit der Lage im Nahen Osten auseinandergesetzt hat und zumindest mit den grundlegenden Fakten vertraut ist.

Und wenn man die Fakten kennt, dann ist es zunächst einmal doch ziemlich unfassbar, mit welcher Beharrlichkeit und Konsequenz Journalisten wie Sie es schaffen, jede Tatsache zum Nahostkonflikt zu ignorieren oder schlicht ins genaue Gegenteil zu verdrehen.

Man staunt wie man es es zu Stande bringt die Hamas, welche die Ermordung  israelischer Zivilisten als Volksfest zelebriert, die in ihrer Charta zur völligen Vernichtung Israels und darüber hinaus aller Juden weltweit aufruft, bei welcher der Abfall vom Islam, also Glaubensfreiheit, ein todeswürdiges Verbrechen ist, die palästinensische Oppositonelle bevorzugt zu Tode foltert, die sämtliche Menschenrechte der eigenen Bevölkerung systematisch verletzt, in deren Kinderprogramm Mickey Mouse einen Sprengstoffgürtel trägt, die ihre Rakten, zur Erhöhung von Kollateralschäden, bevorzugt von Schulhöfen und neben Wohnhäuser abfeuert usw usw.. wie man es tatsächlich schafft, diese Hamas mit Israel  auf eine Stufe zu stellen – oder auch schon gerne mal eine Stufe darüber.

Man ist verblüfft, wie leicht es manchen fällt, zu ignorieren, dass bisher jedes Zugeständnis von Israel, der Rückzug aus dem Südlibanon und aus dem Gazastreifen, auf arabischer Seite in einem Triumph der Extremisten, von Hamas bis Hisbollah, geendet ist. Und dass der Dank für die Räumung sämtlicher Siedlungen im Gaza-Streifen, der Abschuss von mittlerweile über 9000 Raketen auf Israel war – die wiederum der Grund für das Embargo über den Gaza-Streifen sind, nicht israelische Willkür oder Tyrannei.

Und wie man tatsächlich annehmen kann, dass sollte morgen Israel sämtliche Siedlungen im Westjordanland räumen und das Embargo über den Gazastreifen aufheben  und einen palästinensischen Staat bedingungslos anerkennen, dass das auch nur irgendetwas am Vernichtungswahn der islamischen Welt ändern würde.  Dass dann nicht auch noch Raketen aus dem Westjordanland auf Israel prasseln würden und etwa der populärste islamische Fernsehprediger Yussuf al Quadawi, laut unseren Medien ein „moderater Islamist“, plötzlich aufhören würde, den Holocaust als gerechte Strafe Gottes zu preisen. Dass Israel in der islamischen Welt auf einmal nicht mehr für sämtliche Probleme – von Erdbeben zu Tsunamis über Aids und Krebs – verantwortlich gemacht werden würde, sondern sich plötzlich selbstkritisches, aufgeklärtes und humanistisches Denken untern den Muftis, Ayatollahs und arabischen Despoten breit machen würde. Und dass dann etwa in Frankreich in Zukunft keine jüdischen Kinder mehr in Namen des Jihads in den den Kopf geschossen werden würden.

Man wundert sich, wie man es schafft zu ignorieren, dass in Israel rund 20% muslimische Araber, Tendez steigend, leben – während die arabische Welt sich völlig selbstverständlich, ohne irgendein Aufsehen, „judenrein“ gemacht hat. Und arabische Muslime in Israel mehr Menschenrechte genießen als arabische Muslime in irgendeinem anderen Staat in der arabischen Welt. Und dass selbst in einer Besatzungssituation, Palästinenser eine höhere Lebenserwartung haben als beispielsweise Türken in der Türkei. Und dass auch die Besatzung keine Willkür der Israelis war, sondern das Resultat von Angriffskriegen und der Vernichtungsdoktrin der arabischen Welt gegenüber Israel, seit dem ersten Tag seiner Gründung. Und das sämtliche konkreten Friedenspläne Israels, mit weitreichenden Zugeständnissen, von palästinensischer Seite abgelehnt wurden.

Man fragt sich auch, was der Grund dafür ist, dass Medien 99,99 % aller Menschenrechtsverletzungen im Nahen Osten weitgehend kalt lassen und das tägliche Gemetzel durch Islamisten oder arabische Despoten in Zeitungen selten mehr als eine nüchterne Kurznachricht auf den hinteren Seiten wert ist, wenn überhaupt, aber sobald Israel sich verteidigt alle Druckerpressen heiß laufen.

Und weshalb die gezielte Tötung eines palästinensischen Terroristen, verantwortlich für dutzende Terroranschläge gegen Zivilisten, Journalisten mehr in die Tasten hauen lässt,  als der Tod von dutzenden Zivilisten irgendwo sonst in der islamischen Welt.

Und wie man es zu Stande bringt auch über 11 Jahre nach dem 11 September und dem täglichen Terror in der islamischen Welt sämtliche ideologische Hintergründe von Terrororganisationen wie der Hamas auszublenden, welche den Jihad nicht „nur“ gegen Juden, sondern auch gegen alle andere „Ungläubige“ propapieren und insbesondere auch gegen sämtliche Muslime, die nicht mit ihrem totalitären Islamverständnis einhergehen.

Und man ist geradezu fassungslos, wie man bei dem Atomkonflikt mit dem Iran, wo auf der einen Seite das iranische Ayatollah-Regime steht, das gefangen im religiösen Endzeitwahn nicht nur sämtliche Menschenrechte des eigenen Volkes auf jede erdenkliche Weise verletzt, sondern welches ganz offen die Vernichtung Israels propagiert –immer und immer wieder, als göttlich legtimiertes Staatsziel –  wie man es selbst da schafft in Israel den Aggressor zu sehen.

Und dann erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man sich zu wundern aufhört, eins und eins zusammenzählt und zum Ergebnis kommt, das alles kann nur damit zusammenhängen, dass Israel ein jüdischer Staat ist.

Denn kann man sich ernsthaft vorstellen, es gäbe diese Obsession mit Israel und der ganze Nonsense würde geschrieben werden, wenn Israel, sagen wir mal, ein Hindu-Staat wäre?

Eher nein bzw ganz sicher nicht.

Doch auch wenn diese Obsession mit Israel im Allgemeinen ganz sicher etwas mit Antisemitismus zu tun hat, ist tatsächlich nicht jeder der faktenfreien Nonsense zu Israel von sich gibt ein Antisemit.

Tatsächlich kenne ich aus meiner persönlichen Erfahrung viele die glauben Israel sei das ganz große Problem im Nahen Osten, ohne das ich auch nur auf die Idee kommen würde, dass sie Antisemiten sind.

In den meisten Fällen hängt es einfach damit zusammen, dass sie keinerlei Ahnung aber dennoch eine Meinung haben – was angesichts der Nahostberichterstattung in unseren „Qualitätsmedien“ durchaus eine logische Konsequenz ist. Manch einer findet Palästinensertücher auch einfach nur modisch schick und legt sich dazu auch gleich die passende politische Meinung zu oder jemand hat einmal ein Bild von steinewerfenden Kindern vor israelischen Panzern gesehen und war dann emotional so betroffen, dass er auch gar nicht mehr fragen wollte, wer denn Kinder auf Panzer Steine werfen schickt. Oder jemand war in Ägypten auf Urlaub und hatte Durchfall und der freundlichen Hotelmanager erklärte ihm, daran können nur die Zionisten schuld sein.

Und bei einigen hängt es schlicht mit dem Umstand zusammen, den schon Einstein anschaulich beschrieben hat: Zwei Sachen sind unendlich, das Universum  und….

So wie ich auch selbsterklärte Femministinnen kennen lernen durfte, welche zu den Taliban meinten, immer noch besser als die Amis oder erwachsene Menschen, die glauben Nordkorea wäre eine antiimperialistische Bastion.

Man muss also tatsächlich kein Antisemit zu sein, um beim Thema Israel Nonsense abzuladen – im Zweifel hat man auch einfach ein Kommentar von Ihnen gelesen.

Deshalb Herr Augstein, ich kenne Sie nicht. Ich weiß nicht wie es ist ein Augstein zu sein, bereits per Geburt ausgesorgt zu haben und jedes Mitteilungsbedürfnis über den Spiegel der Welt ausrichten zu können. Ich arbeitete nach meinem Studium in einem Flüchtlingslager im Asylverfahren, da war es geboten, sich mit der Realität auf der Welt vertraut zu machen. Sie hatten vermutlich andere Probleme.

Ich möchte Ihnen daher gerne glauben, dass Sie kein Antisemit sind und dass wenn Sie eine Ahnung hätten, welchen Nonsense Sie zu diesem Thema schreiben, Ihnen das Alles sehr peinlich wäre.

Ich will es jedenfalls hoffen.

PS Als Nachtrag:

Henryk Broder hatte offenbar das gleiche Bedürfnis wie ich Herrn Augstein einen Brief zu schreiben  (naturgemäß unabhängig von mir, dennoch ehrt mich bereits dieser Umstand ;).  Offenkundig kennt Herr Broder Herrn Augstein auch deutlich besser als ich, weshalb bei ihm für Hoffnung kein Platz mehr bleibt.

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article111852281/Brief-an-meinen-Lieblings-Antisemiten-Augstein.html

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Israel und die Hamas. Wie viele Raketen hätte es denn noch gebraucht?

Angesichts der Nahostberichterstattung vieler Medien in Österreich (ORF, derStandard, Kleine Zeitung etc), würde ich gerne unseren  heimischen „Nahostexperten“ eine Frage stellen:

Ist eine Situation auch nur denkbar, in der Israel einmal nicht als der Aggressor dargestellt wird, sondern als Land, das sich und seine Bevölkerung verteidigt?

Konkret: Wie viele hundert bzw. wie viele tausend Raketen aus dem Gazastreifen hätte Israel noch erdulden müssen bevor es ein Recht hat, sich zu verteidigen?

Nur weil es vielen Journalisten offenbar entgangen ist. Es hat in den letzten Jahren über 9.000 Raketenangriffe aus dem Gaza Streifen auf Israel gegeben, wobei sich die Situation in den letzten Wochen noch dramatisch verschäft hat. Hunderttausende Israelis müssen mit täglichen Raktenalarm leben.

Der tägliche Raketenterror der Hamas –  der „Dank“ dafür, dass Israel sämtlich jüdische Siedlungen im Gazastreifen geräumt hat – ist übrigens der Grund dafür, dass es ein Embargo über den Gazastreifen gibt – nicht israelische Willkür oder Tyrannei.

Im Falle von Israel spielt für Journalisten der Unterschied zwischen Terroristen, die gezielt versuchen so viele Zivilisten wie möglich zu ermorden und einem Staat, der bei der Verteidigung seiner Bevölkerung zivile Opfer auch auf der anderen Seite so weit wie möglich zu vermeiden versucht, keinerlei Rolle.

Die Hamas (und Hisbollah) bauen ihre Raktenenabschussrampen und Waffenlager bewusst in dicht bebautes Gebiet, bevorzugt in der Nähe von Schulen. Und wie ein Hisbollah Kommandant bereits vor dem Libanon Krieg freimütig eingeräumt hat, ist es eine Win-Win Situation. Entweder die Raketen treffen Israel oder die Bilder von toten Zivilisten gehen um die Welt und die empörte Weltöffentlichkeit kann Israel wieder ein „Massaker“ vorwerfen.
Jeder tote palästinensische Zivilist ist eine Niederlage für Israel und ein PR-Triumph für die Hamas. Erst die Medien haben dieses zynische Spiel möglich gemacht.

Und während Israel verwundete und kranke Palästinenser kostenlos in israelischen Krankenhäusern versorgt (die Lebenserwartung im Gazastreifen ist höher als im benachbarten Ägypten und der Türkei!), zelebriert die Hamas die Ermordung israelischer Zivilisten als Volksfest.

Die Obsession mit Israel als ewiger Sündenbock für Alles im Nahen Osten, hat sämtlichen Diktatoren, Terroristen und Extremisten einen Freibrief für ihre Verbrechen gegeben und unsere Medien spielen willig mit. Ich habe nach meinem Studium im Asylbereich gearbeitet und kenne die Situation gerade in den arabischen Ländern sehr gut. Die islamische Welt im Allgemeinen und die arabische im Besonderen ist eine weitgehend menschenrechtsfreie Zone, in der selbst die unfassbarsten Menschenrechtsverletzungen Alltag sind. So sehr Alltag, dass sie für Journalisten in der Regel nicht einmal eine Randnotiz wert sind. Zugleich kann sich jeder Despot und Massenmörder in der islamischen Welt beim Nahostkonflikt vor der Weltöffentlichkeit als Menschenrechtsaktivist verkaufen.

Persönlich mache ich mir keine Illusionen, was eine Lösung des Nahostkonflikts betrifft. Denn beim Nahostkonflikt geht es in Wahrheit nicht um die Palästinenser, nicht um israelische Siedlungen oder Land (Israel ist ca so groß wie Niederösterreich) und schon gar nicht um Menschenrechte, welche von Organisationen wie der Hamas schon aus religiösen Gründen verabscheut werden.  Es geht darum, dass Israel als Sündenbock, Hassobjekt und Inhalt für die allgegenwärtigen Verschwörungstheorien für die islamische Welt unverzichtbar ist.

So kenne ich auch in Österreich durchwegs gebildete Muslime, die ganz selbstverständlich anmerken, dass Israel nicht nur jedes Problem der islamischen Welt – von Algerien bis Indonesien – verantwortlich sei, sondern auch, je nach Anlass, für Aids, Krebs, Tsunamis und Erdbeben – was im übrigen in arabischen Ländern ganz offiziell in Schulbüchern und im Staatsfernsehen propagiert wird. Bei der Analyse von Problemen das eigene Weltbild, die eigene Kultur oder gar Religion zu hinterfragen, ist schließlich keine Alternative – zumindest keine, die ihnen unsere Journalisten zumuten wollen.

Daher bleibt  die Nahostberichterstattung wohl auch in Zukunft faktenfrei. Und die anfangs gestellte Frage, wie viele Raketen es denn noch gebraucht hätte – angesichts der „Nahostexperten“ in unseren Medien kann eine solche Frage bloß rhetorisch gemeint sein.

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Der Terror von Toulouse und die Verantwortung der Medien – weshalb vieles dafür spricht, dass die Medien die Morde verhindern hätten können.

Ich ahnte schon was geschrieben werden würde, als ich von den Morden in Toulouse gehört hatte.  Da ich derzeit wenig Zeit habe, mich zu ärgern – und noch weniger Zeit Kommentare zu schreiben – wollte ich den Medienkonsum diesbezüglich auf ein Minimum reduzieren. Doch auch ein Blick in den „Standard“ war schon zu viel und deshalb im Folgenden mein Kommentar. Für die Leser aus Deutschland: In Österreich gilt die Tageszeitung „der Standard“ als „Qualitätsmedium“ und erfahrungsgemäß ist er bei bestimmten Themen durchaus repräsentativ für andere „Qualitätsmedien“ in Europa. Daher im Folgenden anhand die Berichterstattung des Standards der Versuch einer Antwort auf die Frage, ob drei jüdische Kinder und vier erwachsene Männer noch leben könnten, wenn die Medienberichterstattung in Europa eine andere gewesen wäre.

Das klingt zugegeben provokant – ist es aber (leider) nicht.

Das sind die fünf Überschriften im Standard zu den Analysen über Täter und die Hintergründe der Tat:  Der Einzeltäter, der aus dem Ghetto kam: Die Schreckenstat erfolgte vor einem ganz bestimmten sozialen, urbanen und postkolonialen Hintergrund.“ „Islamismus als Symptom: Eine Erklärung für das Blutbad von Toulouse ist gesellschaftliche Marginalisierung.“. „Psychologe:  „Täter nutzen die politische Sache nur als Vehikel“. „Ich bin froh, dass die Geheimdienste Fehler machen“: Politologe Franz Eder argumentiert, dass Sarkozy aufgrund seiner Politik einen Teil der Schuld an den Attentaten trägt.“ „Toulouse im toten Winkel: Die französischen Präsidentschaftskandidaten blenden die sozialen Hintergründe der Toulouse-Morde aus.“

Die Standard Redaktion hat sich mächtig ins Zeug gelegt: Nachdem man sämtliche Berichte und Analysen gelesen hat, kann es nur einen Schluss geben: Der islamischer Terror hat (wieder einmal) nichts mit Islam zu tun, aber viel mit sozialen Problemen, gesellschaftlicher Marginalisierung und rechter Parolen von Sarkozy.

Sollte dennoch beim Leser Zweifel aufkommen, weil der Täter sich wirklich alle Mühe gegeben hat, der Polizei vor der Erstürmung seine religiöse Motivation zu erklären und sich noch die Zeit genommen hatte das Video der Morde mit Koransuren zu unterlegen, bietet der Standard noch den deutschen Psychologen  Jens Hoffmann  auf, der den Täter zu Sicherheit per Ferndiagnose für psychisch krank erklärt und mit ärztlicher Autorität eindringlich vor einer „Überislamisierung solcher Taten und die Dämonisierung des Islams“ warnt.

Und für den Fall, dass dann immer noch Fragen nach dem Motiv— abseits sozialer Probleme, Diskriminierung und rechter Parolen —  übrig bleiben, muss Christoph Prantner vom Standard dem Leser, der auf Aufklärung hofft, enttäuschen: „Die Frage nach dem „Warum“, nach M.s Motiv, ist nicht mehr hinreichend zu beantworten. Viele der Hintergründe, die zu den Morden von Toulouse führten, werden durch den Tod des 23-Jährigen für immer im Dunklen bleiben.“

Und da beginnt nun die Verantwortung der Medien. Denn für immer im Dunkeln bleiben die Hintergründe, wenn es nach den Medien geht, bei jedem islamischen Terroranschlag, spätestens seit 9-11, als sich 19 Attentäter auf den Weg gemacht haben, tausende Menschen zu ermorden – 15 der durchwegs wohlsituierten Terroristen kamen ebenso wie der Drahtzieher, ein Milliardärssohn und Multimillionär, aus Saudi Arabien – einem der reichsten Länder der Welt (dank Petrodollars) und jedenfalls einem der islamischsten Ländern der Welt. Keiner der Attentäter war ein Sozialfall, aber jeder war fest davon überzeugt, dass ihm in der Sekunde des Todes der Einzug ins Paradies sicher ist.

Dabei ist der Hintergrund, weshalb der Täter gezielt jüdische Kinder ermordet hat, für jeden, der von der islamischen Welt auch nur ein wenig Ahnung hat, offenkundig: Bereits Kinder lernen Koransuren, in denen Juden als Feinde Gottes verdammt werden und Hadithe, die zum Kampf gegen Juden (und andere Nichtmuslime) aufrufen.

http://www.youtube.com/watch?v=Vtt8V25lGmc&feature=related )

Der populärste islamische Fernsehprediger al-Qaradawi– den westliche Medien gerne als „moderaten Islamisten“ bezeichnen, mit Millionen Zuschauern auch in Europa, preist in seinen wöchentlichen Fernsehauftritten auf Al Jazeera Hitler als von Gott Gesandten, der mit dem Holocaust die gerechte Strafe Gottes für die Juden vollzogen hatte. Und wer als Österreicher jemals in der arabischen Welt war und Kontakt mit Einheimischen hatte, ist peinlich berührt über die Komplimente, die man als Österreicher aufgrund seiner Herkunft bekommt hat – und das nicht wegen unserer erfolgreichen Schifahrer.

Der Mörder von Toulouse schoss den Kindern nicht aufgrund sozialer Probleme oder rechter Parolen von Sarkozy aus nächster Nähe in den Kopf.  Er mordete, weil er ganz real daran glaubte, im Jenseits dafür belohnt zu werden. Und in seiner islamischen Logik konnte das durchaus Sinn machen, schließlich ist es im Grunde das, was in der islamischen Welt jeden Tag  von sogenannten „moderaten Islamisten“ und anerkannten Religionsführern von Kairo bis Teheran gepredigt wird. Die Hamas, der palästinensische Ableger der Muslimbruderschaft, welche viele westlichen Medien bereits als aufrechte Demokraten im arabischen Frühling feiern, ruft in ihrer Charta ausdrücklich zur Vernichtung der Juden auf – nicht „nur“ in Israel, sondern weltweit. Der Mörder von Toulouse mag daher bei der Tatausführung alleine gehandelt haben, ein Einzeltäter war er aber jedenfalls nicht. Viele „moderate Islamisten“ haben ihm zu dieser Tat ermuntert. Und während die Medien, den Täter noch zum Opfer sozialer Umstände, Diskriminierung und rechter Parolen erklären, ist er wie ein Blick auf einschlägige Internetforen und Kommentare unter (österreichischen) Youtube Videos zeigt, bei vielen, auch in Österreich lebenden, Muslimen bereits ein Held. http://sosheimat.wordpress.com/2012/03/22/osterreichische-islamisten-im-geiste-vom-toulouse-killer/

So wie einst Bin Laden –  der beispielsweise in Indonesien nach dem 11. September im Jahr 2003, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land, das gerne als Musterbeispiel für einen moderaten Islam herhalten darf, eine Zustimmungsrate von 58 % gehabt hatte. http://www.pewglobal.org/2005/07/14/iv-how-muslims-view-relations-with-the-world/

Auf der Suche nach der Verantwortung der Medien muss man ein Jahrzehnt zurückgehen. Man stelle sich vor, der 11. September wäre Anlass genug gewesen, für Journalisten sich sachlich mit dem Thema Islam auseinanderzusetzen – und sie hätten den Koran, die Hadithe und andere islamische Quellen studiert, hätten analysiert aus welchen religiösen Texten Bin Laden und andere islamische Terroristen ihre Rechtfertigung für Gewalt beziehen.

Man wäre zum Ergebnis gekommen, dass der Islam in wesentlichen Fragen nicht mit Menschenrechten und rechtsstaatlicher Demokratie vereinbar ist – was nun wirklich wenig erstaunlich ist, für ein Rechts- und Gesellschaftssystem (und eben nicht nur ein Glaubenssystem), welches im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel entstanden ist und das von seinem Wesen her, weder veränderbar noch verhandelbar ist.

Man stelle sich vor, der 11. September 2001 wäre in den Medien und in Folge auch in der Politik und in den Schulen der Beginn einer offenen, ehrlichen, auf Fakten basierenden Diskussion zum Thema Islam gewesen  – ohne Hetze, dafür aber umso mehr im Sinne von Wahrheitsfindung und Aufklärung.

Zu diesem Zeitpunkt wäre der Mörder von Toulouse rund 12 Jahre alt gewesen.

Man stelle sich vor, er wäre in einem Land aufgewachsen, wo ihm von den Medien ganz selbstverständlich vermittelt worden wäre, dass es im 21. Jahrhundert keine Schande ist über seine eigene Religion und sein Weltbild sachlich und auch kritisch nachzudenken. Dass sein Wert als Mensch und seine Identität nicht zwingend vom Glauben seiner Eltern abhängen muss.

Dass aufgeklärtes, rationales Denken keine Sünde ist, die ihm in die Hölle bringt, sondern die Grundlage für  Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte, welche wiederum seiner Familie ermöglicht haben, nach Frankreich einzuwandern und die Staatsbürgerschaft anzunehmen. Dass Europa und Frankreich zwar nicht perfekt sind und es gesellschaftliche und soziale Probleme gerade auch für Einwanderer gibt, aber dass es hier bei allen Problemen, objektiv betrachtet um Lichtjahre besser ist als alles, was Gesellschaftsordnungen, die auf dem Islam basieren und welche seine Eltern bewusst verlassen haben, je hervorgebracht haben.

Man hätte auch ganz einfach erklären können, dass der Umstand, dass von der Glühbirne bis zum PC, vom Handy bis zum Spaceshuttle (oder seinem 3er BMW) sämtliche technischen Errungenschaften von „Ungläubigen“  und nicht von „Gläubigen“ erfunden worden sind, kein weiterer Beweis für eine jüdisch-amerikanische Weltverschwörung  ist,  sondern daran liegt, dass für die „Ungläubigen“ im Westen rationales, wissenschaftliches Denken im Gegensatz zu den „Gläubigen“ in Ländern wie Saudi Arabien kein todeswürdiges Verbrechen ist. Oder auch, dass wir dank Wissenschaft heute wissen, dass – entgegen dem Koran—  die Sonne sich nicht um die Erde dreht, die Erde nicht die Form eines Teppichs hat und ein Ort in Saudi Arabien nicht der Mittelpunkt des Universums sein kann.

Aber in einem solchen Land ist er nicht aufgewachsen. Er ist in einem Land und auf einem Kontinent aufgewachsen, in dem Medien und in Folge der Großteil der Politik das Thema Islam zu einer aufklärungsfreien Zone erklärt haben und selbst die simpelsten Wahrheiten in der öffentlichen Diskussion nicht zumutbar sind.

In diesem aufklärungsfreien Raum haben Extremisten ein leichtes Spiel, denn im Gegensatz zu Journalisten können sie Koran und die Hadithe zitieren und werden in jeder Diskussion, in der man bereits im Vornhinein außer Streit gestellt hat, dass der Islam nach Europa gehört, die besseren Argumente haben. So kommen zuerst die Journalisten und in Folge ein Christian Wulff und erklären, dass der Islam nach Deutschland gehört und dann kommt ein Pierre Vogel und erklärt was nun tatsächlich alles nach Deutschland gehört.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass in einer Zeit, in welcher der Zugang zu Wissen noch nie so leicht war wie heute, es für eine Ideologie, die das Weltbild einer Stammesgesellschaft des 7. Jahrhunderts widerspiegelt – und selbst für damalige Verhältnisse kaum als progressiv bezeichnet werden kann –  so problemlos möglich ist, sich gegen eine Wissensgesellschaft in Europa des 21. Jahrhundert zu behaupten. Ein Schüler könnte heute mit einem Smartphone innerhalb von 5 Minuten, die wesentlichen Fakten recherchieren, mit der er jeden Mufti in Saudi Arabien und jeden Ayatollah im Iran als Märchenonkel bloßstellen könnte.

Dass in Europa des 21. Jahrhunderts  – in einem Medienzeitalter – das Weltbild des  7. Jahrhunderts an Boden gewinnt, ist nur möglich, da sich die Meinungsmacher darauf eingestellt haben, wegzuschauen, die Realität zu verweigern und zu verharmlosen – und in Folge die Abwehrmechanismen einer Demokratie gegenüber ihren Feinden vollends versagen.

Besonders deprimierend ist, dass insbesondere linksliberale Medien (wie der Standard) am beharrlichsten die Toleranz gegenüber der Intoleranz predigen und dafür bereit sind bei jeder noch so gravierenden Menschenrechtsverletzung – von der völligen Entrechtung der Frau bis hin zu mörderischem Antisemitismus wegzuschauen oder die Ursachen zu vernebeln. Systematisches Weghören und Wegsehen – im Umgang mit totalitären Ideologien haben die Journalisten von der Geschichte nichts gelernt.

Die Frage, ob der Mörder von Toulouse nicht zum Mörder geworden wäre, hätte es in den Medien – und in Folge auch in der Politik und in den Schulen – eine sachliche und aufgeklärte Islamdiskussion gegeben, lässt sich nicht mit Sicherheit beantworten.

Eine aufgeklärte Islamdiskussion in den Medien und in der Öffentlichkeit hätte aber jedenfalls dazu geführt, dass in Europa des 21. Jahrhunderts für deutlich mehr Menschen mit islamischem Migrationshintergrund aufgeklärtes, rationales Denken im Bezug auf die eigene Religion kein absolutes Tabu mehr wäre. Dass zumindest gebildete Muslime nicht jede auch noch so absurde antisemitische Verschwörungstheorie sofort als absolute Wahrheit annehmen würden und dass heute weniger und nicht deutlich mehr Musliminnen als noch vor 20 Jahren sich unter einem Kopftuch verstecken würden. Sie hätte dadurch Integration entscheidend gefördert und das Leben für islamische Extremisten, welche heute ihr Weltbild ungehindert Kindern und Jugendlichen indoktriniert können, deutlich schwerer gemacht.

So gesehen spricht vieles dafür, dass die Opfer von Toulouse noch leben würden, hätten sich die Medien nach 9-11 für Aufklärung statt Realitätsverweigerung entschieden.

„Islamfeindlichkeit ist wie eine Krankheit“, zitiert der Standard wenige Tage nach dem Terror von Toulouse in einer Überschrift den Präsidenten der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Man will sich gar nicht vorstellen, was noch geschehen müsste, damit Journalisten dem widersprechen.

PS: Die Hintergründe der Tat in 3 Minuten:

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