Schlagwort-Archive: Israel

Im Zweifel überall Ahnungslose. Sehr geehrter Herr Augstein!

Weshalb ich Ihnen  – mit Blick auf Ihr Kommentar Überall Antisemiten – gerne glauben möchte, dass Sie kein Antisemit sind, aber weshalb,  sofern man die Fakten beim Nahostkonflikt nicht ganz ignoriert, zunächst einmal Vieles dafür spricht, dass Sie einer sind.

Wenn man wie ich – als nichtjüdischer Österreicher – ein Israelfreund ist,  ist das selten Zufall, sondern in der Regel Folge dessen, dass man sich irgendwann einmal mit der Lage im Nahen Osten auseinandergesetzt hat und zumindest mit den grundlegenden Fakten vertraut ist.

Und wenn man die Fakten kennt, dann ist es zunächst einmal doch ziemlich unfassbar, mit welcher Beharrlichkeit und Konsequenz Journalisten wie Sie es schaffen, jede Tatsache zum Nahostkonflikt zu ignorieren oder schlicht ins genaue Gegenteil zu verdrehen.

Man staunt wie man es es zu Stande bringt die Hamas, welche die Ermordung  israelischer Zivilisten als Volksfest zelebriert, die in ihrer Charta zur völligen Vernichtung Israels und darüber hinaus aller Juden weltweit aufruft, bei welcher der Abfall vom Islam, also Glaubensfreiheit, ein todeswürdiges Verbrechen ist, die palästinensische Oppositonelle bevorzugt zu Tode foltert, die sämtliche Menschenrechte der eigenen Bevölkerung systematisch verletzt, in deren Kinderprogramm Mickey Mouse einen Sprengstoffgürtel trägt, die ihre Rakten, zur Erhöhung von Kollateralschäden, bevorzugt von Schulhöfen und neben Wohnhäuser abfeuert usw usw.. wie man es tatsächlich schafft, diese Hamas mit Israel  auf eine Stufe zu stellen – oder auch schon gerne mal eine Stufe darüber.

Man ist verblüfft, wie leicht es manchen fällt, zu ignorieren, dass bisher jedes Zugeständnis von Israel, der Rückzug aus dem Südlibanon und aus dem Gazastreifen, auf arabischer Seite in einem Triumph der Extremisten, von Hamas bis Hisbollah, geendet ist. Und dass der Dank für die Räumung sämtlicher Siedlungen im Gaza-Streifen, der Abschuss von mittlerweile über 9000 Raketen auf Israel war – die wiederum der Grund für das Embargo über den Gaza-Streifen sind, nicht israelische Willkür oder Tyrannei.

Und wie man tatsächlich annehmen kann, dass sollte morgen Israel sämtliche Siedlungen im Westjordanland räumen und das Embargo über den Gazastreifen aufheben  und einen palästinensischen Staat bedingungslos anerkennen, dass das auch nur irgendetwas am Vernichtungswahn der islamischen Welt ändern würde.  Dass dann nicht auch noch Raketen aus dem Westjordanland auf Israel prasseln würden und etwa der populärste islamische Fernsehprediger Yussuf al Quadawi, laut unseren Medien ein „moderater Islamist“, plötzlich aufhören würde, den Holocaust als gerechte Strafe Gottes zu preisen. Dass Israel in der islamischen Welt auf einmal nicht mehr für sämtliche Probleme – von Erdbeben zu Tsunamis über Aids und Krebs – verantwortlich gemacht werden würde, sondern sich plötzlich selbstkritisches, aufgeklärtes und humanistisches Denken untern den Muftis, Ayatollahs und arabischen Despoten breit machen würde. Und dass dann etwa in Frankreich in Zukunft keine jüdischen Kinder mehr in Namen des Jihads in den den Kopf geschossen werden würden.

Man wundert sich, wie man es schafft zu ignorieren, dass in Israel rund 20% muslimische Araber, Tendez steigend, leben – während die arabische Welt sich völlig selbstverständlich, ohne irgendein Aufsehen, „judenrein“ gemacht hat. Und arabische Muslime in Israel mehr Menschenrechte genießen als arabische Muslime in irgendeinem anderen Staat in der arabischen Welt. Und dass selbst in einer Besatzungssituation, Palästinenser eine höhere Lebenserwartung haben als beispielsweise Türken in der Türkei. Und dass auch die Besatzung keine Willkür der Israelis war, sondern das Resultat von Angriffskriegen und der Vernichtungsdoktrin der arabischen Welt gegenüber Israel, seit dem ersten Tag seiner Gründung. Und das sämtliche konkreten Friedenspläne Israels, mit weitreichenden Zugeständnissen, von palästinensischer Seite abgelehnt wurden.

Man fragt sich auch, was der Grund dafür ist, dass Medien 99,99 % aller Menschenrechtsverletzungen im Nahen Osten weitgehend kalt lassen und das tägliche Gemetzel durch Islamisten oder arabische Despoten in Zeitungen selten mehr als eine nüchterne Kurznachricht auf den hinteren Seiten wert ist, wenn überhaupt, aber sobald Israel sich verteidigt alle Druckerpressen heiß laufen.

Und weshalb die gezielte Tötung eines palästinensischen Terroristen, verantwortlich für dutzende Terroranschläge gegen Zivilisten, Journalisten mehr in die Tasten hauen lässt,  als der Tod von dutzenden Zivilisten irgendwo sonst in der islamischen Welt.

Und wie man es zu Stande bringt auch über 11 Jahre nach dem 11 September und dem täglichen Terror in der islamischen Welt sämtliche ideologische Hintergründe von Terrororganisationen wie der Hamas auszublenden, welche den Jihad nicht „nur“ gegen Juden, sondern auch gegen alle andere „Ungläubige“ propapieren und insbesondere auch gegen sämtliche Muslime, die nicht mit ihrem totalitären Islamverständnis einhergehen.

Und man ist geradezu fassungslos, wie man bei dem Atomkonflikt mit dem Iran, wo auf der einen Seite das iranische Ayatollah-Regime steht, das gefangen im religiösen Endzeitwahn nicht nur sämtliche Menschenrechte des eigenen Volkes auf jede erdenkliche Weise verletzt, sondern welches ganz offen die Vernichtung Israels propagiert –immer und immer wieder, als göttlich legtimiertes Staatsziel –  wie man es selbst da schafft in Israel den Aggressor zu sehen.

Und dann erreicht man irgendwann den Punkt, an dem man sich zu wundern aufhört, eins und eins zusammenzählt und zum Ergebnis kommt, das alles kann nur damit zusammenhängen, dass Israel ein jüdischer Staat ist.

Denn kann man sich ernsthaft vorstellen, es gäbe diese Obsession mit Israel und der ganze Nonsense würde geschrieben werden, wenn Israel, sagen wir mal, ein Hindu-Staat wäre?

Eher nein bzw ganz sicher nicht.

Doch auch wenn diese Obsession mit Israel im Allgemeinen ganz sicher etwas mit Antisemitismus zu tun hat, ist tatsächlich nicht jeder der faktenfreien Nonsense zu Israel von sich gibt ein Antisemit.

Tatsächlich kenne ich aus meiner persönlichen Erfahrung viele die glauben Israel sei das ganz große Problem im Nahen Osten, ohne das ich auch nur auf die Idee kommen würde, dass sie Antisemiten sind.

In den meisten Fällen hängt es einfach damit zusammen, dass sie keinerlei Ahnung aber dennoch eine Meinung haben – was angesichts der Nahostberichterstattung in unseren „Qualitätsmedien“ durchaus eine logische Konsequenz ist. Manch einer findet Palästinensertücher auch einfach nur modisch schick und legt sich dazu auch gleich die passende politische Meinung zu oder jemand hat einmal ein Bild von steinewerfenden Kindern vor israelischen Panzern gesehen und war dann emotional so betroffen, dass er auch gar nicht mehr fragen wollte, wer denn Kinder auf Panzer Steine werfen schickt. Oder jemand war in Ägypten auf Urlaub und hatte Durchfall und der freundlichen Hotelmanager erklärte ihm, daran können nur die Zionisten schuld sein.

Und bei einigen hängt es schlicht mit dem Umstand zusammen, den schon Einstein anschaulich beschrieben hat: Zwei Sachen sind unendlich, das Universum  und….

So wie ich auch selbsterklärte Femministinnen kennen lernen durfte, welche zu den Taliban meinten, immer noch besser als die Amis oder erwachsene Menschen, die glauben Nordkorea wäre eine antiimperialistische Bastion.

Man muss also tatsächlich kein Antisemit zu sein, um beim Thema Israel Nonsense abzuladen – im Zweifel hat man auch einfach ein Kommentar von Ihnen gelesen.

Deshalb Herr Augstein, ich kenne Sie nicht. Ich weiß nicht wie es ist ein Augstein zu sein, bereits per Geburt ausgesorgt zu haben und jedes Mitteilungsbedürfnis über den Spiegel der Welt ausrichten zu können. Ich arbeitete nach meinem Studium in einem Flüchtlingslager im Asylverfahren, da war es geboten, sich mit der Realität auf der Welt vertraut zu machen. Sie hatten vermutlich andere Probleme.

Ich möchte Ihnen daher gerne glauben, dass Sie kein Antisemit sind und dass wenn Sie eine Ahnung hätten, welchen Nonsense Sie zu diesem Thema schreiben, Ihnen das Alles sehr peinlich wäre.

Ich will es jedenfalls hoffen.

PS Als Nachtrag:

Henryk Broder hatte offenbar das gleiche Bedürfnis wie ich Herrn Augstein einen Brief zu schreiben  (naturgemäß unabhängig von mir, dennoch ehrt mich bereits dieser Umstand ;).  Offenkundig kennt Herr Broder Herrn Augstein auch deutlich besser als ich, weshalb bei ihm für Hoffnung kein Platz mehr bleibt.

http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article111852281/Brief-an-meinen-Lieblings-Antisemiten-Augstein.html

Advertisements

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Israel und die Hamas. Wie viele Raketen hätte es denn noch gebraucht?

Angesichts der Nahostberichterstattung vieler Medien in Österreich (ORF, derStandard, Kleine Zeitung etc), würde ich gerne unseren  heimischen „Nahostexperten“ eine Frage stellen:

Ist eine Situation auch nur denkbar, in der Israel einmal nicht als der Aggressor dargestellt wird, sondern als Land, das sich und seine Bevölkerung verteidigt?

Konkret: Wie viele hundert bzw. wie viele tausend Raketen aus dem Gazastreifen hätte Israel noch erdulden müssen bevor es ein Recht hat, sich zu verteidigen?

Nur weil es vielen Journalisten offenbar entgangen ist. Es hat in den letzten Jahren über 9.000 Raketenangriffe aus dem Gaza Streifen auf Israel gegeben, wobei sich die Situation in den letzten Wochen noch dramatisch verschäft hat. Hunderttausende Israelis müssen mit täglichen Raktenalarm leben.

Der tägliche Raketenterror der Hamas –  der „Dank“ dafür, dass Israel sämtlich jüdische Siedlungen im Gazastreifen geräumt hat – ist übrigens der Grund dafür, dass es ein Embargo über den Gazastreifen gibt – nicht israelische Willkür oder Tyrannei.

Im Falle von Israel spielt für Journalisten der Unterschied zwischen Terroristen, die gezielt versuchen so viele Zivilisten wie möglich zu ermorden und einem Staat, der bei der Verteidigung seiner Bevölkerung zivile Opfer auch auf der anderen Seite so weit wie möglich zu vermeiden versucht, keinerlei Rolle.

Die Hamas (und Hisbollah) bauen ihre Raktenenabschussrampen und Waffenlager bewusst in dicht bebautes Gebiet, bevorzugt in der Nähe von Schulen. Und wie ein Hisbollah Kommandant bereits vor dem Libanon Krieg freimütig eingeräumt hat, ist es eine Win-Win Situation. Entweder die Raketen treffen Israel oder die Bilder von toten Zivilisten gehen um die Welt und die empörte Weltöffentlichkeit kann Israel wieder ein „Massaker“ vorwerfen.
Jeder tote palästinensische Zivilist ist eine Niederlage für Israel und ein PR-Triumph für die Hamas. Erst die Medien haben dieses zynische Spiel möglich gemacht.

Und während Israel verwundete und kranke Palästinenser kostenlos in israelischen Krankenhäusern versorgt (die Lebenserwartung im Gazastreifen ist höher als im benachbarten Ägypten und der Türkei!), zelebriert die Hamas die Ermordung israelischer Zivilisten als Volksfest.

Die Obsession mit Israel als ewiger Sündenbock für Alles im Nahen Osten, hat sämtlichen Diktatoren, Terroristen und Extremisten einen Freibrief für ihre Verbrechen gegeben und unsere Medien spielen willig mit. Ich habe nach meinem Studium im Asylbereich gearbeitet und kenne die Situation gerade in den arabischen Ländern sehr gut. Die islamische Welt im Allgemeinen und die arabische im Besonderen ist eine weitgehend menschenrechtsfreie Zone, in der selbst die unfassbarsten Menschenrechtsverletzungen Alltag sind. So sehr Alltag, dass sie für Journalisten in der Regel nicht einmal eine Randnotiz wert sind. Zugleich kann sich jeder Despot und Massenmörder in der islamischen Welt beim Nahostkonflikt vor der Weltöffentlichkeit als Menschenrechtsaktivist verkaufen.

Persönlich mache ich mir keine Illusionen, was eine Lösung des Nahostkonflikts betrifft. Denn beim Nahostkonflikt geht es in Wahrheit nicht um die Palästinenser, nicht um israelische Siedlungen oder Land (Israel ist ca so groß wie Niederösterreich) und schon gar nicht um Menschenrechte, welche von Organisationen wie der Hamas schon aus religiösen Gründen verabscheut werden.  Es geht darum, dass Israel als Sündenbock, Hassobjekt und Inhalt für die allgegenwärtigen Verschwörungstheorien für die islamische Welt unverzichtbar ist.

So kenne ich auch in Österreich durchwegs gebildete Muslime, die ganz selbstverständlich anmerken, dass Israel nicht nur jedes Problem der islamischen Welt – von Algerien bis Indonesien – verantwortlich sei, sondern auch, je nach Anlass, für Aids, Krebs, Tsunamis und Erdbeben – was im übrigen in arabischen Ländern ganz offiziell in Schulbüchern und im Staatsfernsehen propagiert wird. Bei der Analyse von Problemen das eigene Weltbild, die eigene Kultur oder gar Religion zu hinterfragen, ist schließlich keine Alternative – zumindest keine, die ihnen unsere Journalisten zumuten wollen.

Daher bleibt  die Nahostberichterstattung wohl auch in Zukunft faktenfrei. Und die anfangs gestellte Frage, wie viele Raketen es denn noch gebraucht hätte – angesichts der „Nahostexperten“ in unseren Medien kann eine solche Frage bloß rhetorisch gemeint sein.

5 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Wenn Israel islamisch wäre. Was Günter Grass geschrieben hätte.

Ein kleines Gedankenexperiment: Israel wäre Israel, alles wäre gleich, bloß Israel wäre kein jüdisches Land, sondern ein muslimisches Land. Wobei die israelischen Muslime sich genau gleich verhalten würden wie in der Realität die israelischen Juden –  muslimische Zionisten also, die glauben, dass sie Muslime sind, aber alles das machen, was jüdische Zionisten eben halt so machen, seit über 60 Jahren. Und ganz wichtig, Günter Grass würde auch ganz fest daran glauben, dass sie Muslime sind.

Israel wäre dann jenes Land in der islamischen Welt, das mit Abstand – mit ganz, ganz großen Abstand – in Sachen Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte, Glaubens- und Religionsfreiheit, Emanzipation der Frauen, Bildung, Wissenschaft und Forschung den Spitzenplatz unter allen muslimischen Ländern einnehmen würde.

Israel wäre jenes Land, auf das jeder in Europa, der es gut meint mit dem Islam, als unwiderlegbaren Beweis für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie, Wissenschaft und Menschenrechte verweisen würde.

Und dann stelle man sich auch gleich noch vor der Iran wäre ein jüdisches Land. Und die politische und religiöse jüdische Führung des Irans würde exakt das machen, was die die islamische Führung in der Realität heute alles so macht. „Juden“ würden Frauen steinigen, Konvertiten aufhängen, Rechtsgutachten erlassen, in denen sie Ungläubigen das Lebensrecht absprechen und zum Heiligen Krieg und Märtyrertod aufrufen. Und dieser jüdische Iran hätte sich als Staatsziel gesetzt, dieses kleine „muslimische Israel“ um  jeden Preis  zu vernichten, im Namen Gottes – und wäre kurz davor die Mittel dazu – Atomwaffen – zu besitzen.

Was hätte Günter Grass wohl geschrieben? Auf welcher Seite würde er stehen?

Die Antwort ist so offenkundig, man kann sie getrost weglassen.

PS:

Natürlich ist das nur ein Gedankenexperiment und Israel ist (mehrheitlich, noch) jüdisch – und daher seit dem 1. Tag seiner Staatsgründung wie kein anderes Land einem Vernichtungswahn ausgesetzt,  der arabische Despoten, Islamisten, Rechtsradikale, Linksradikale, Vollidioten und / oder Nobelpreisträger vereint, für welche Israel als Sündenbock und Projektionsfläche herhalten muss, für all das, was sie eigentlich selber sind. Was Israel  (ein Land ca so groß wie Niederösterreich) macht oder nicht macht ist dabei völlig egal. So wie es für Antisemiten immer völlig egal war, ob sie Juden verfolgen mit dem Vorwurf sie seien Kapitalisten oder Kommunisten, Internationalisten oder Nationalisten, Atheisten oder religiöse Fundamentalisten, Pazifisten oder Militaristen, zu intelligent oder zu dumm, zu ehrgeizig oder zu faul.

Vor 70 Jahren ging es darum, Europa judenfrei zu machen und 70 Jahre danach geht es darum den Nahen Osten judenfrei zu machen – und Günter Grass ist noch immer voll dabei. Was für eine Karriere. 

https://kasnudl.wordpress.com/2011/12/03/500-000-plastikschlussel-und-die-iranische-bombe-und-ein-europa-das-schlaft/

6 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

500.000 Plastikschlüssel und die iranische Bombe – und ein Europa, das schläft.

Es waren 500.000 Plastikschlüssel aus Taiwan, die der Iran während des Krieges gegen den Irak in den 1980er importiert hatte. Sie wurden Kindern umgehängt bevor man sie über die irakischen Minenfelder laufen ließ, um mit ihren Körpern die Minen auszulösen. Die Plastikschlüssel, so das Versprechen, würden Ihnen die Pforte zum Paradies öffnen. Die Kinder, die so zu tausenden in den „Märtyrer“-Tod getrieben wurden, waren Mitglieder der von Revolutionsführer Khomeini gegründeten „Basitschi“ Bewegung, zu deren glühendsten Anhänger der heutige Präsident Ahmadinejad zählt.

Der tausendfache Aufopferung  – die Ermordung – der eigenen Kinder, die man eingewickelt in Decken über die Minenfelder rollen ließ, damit ihre Körperteile bei der Detonation nicht auseinanderfielen und die  Angehörigen noch Überreste für eine Bestattung übrig hatten, ist nur ein Beispiel für die Verbrechen eines Regimes, welches die schlimmste Form religiösen Wahns verkörpert:  Ein Regime, das in Endzeitphantasien lebt und die Wiederkehr des 12. verschollenen Imams, des Mahdi, wartet, der wenn er wiederkehrt, aus einen ausgetrockneten Brunnen in Qom, die Endzeit einläutet – das Paradies für die Gläubigen und (natürlich) die Auslöschung der Ungläubigen.

Bevor dieser von Ahmadinejad und co ersehnte Zustand – Gläubige ins Paradies, Ungläubige in die Hölle – eintritt und der Mahdi – in der Realität vermutlich im Jahr 941 verstorben, laut Art. 5 iranische Verfassung aber auch im Jahr 2011 das eigentliche Staatsoberhaupt des Irans – wiederkehrt, wird es erst einmal so richtig ungemütlich: Weltweites Chaos, Epidemien, Naturkatastrophen und vor allem Krieg: Es ist davon auszugehen, dass das iranische Regime daran glaubt, die Wiederkehr des Mahdi notfalls auch beschleunigen zu können.

Das Weltbild, welches die Welt in Gläubige und Ungläubige einteilt und das letzteren das Lebensrecht abspricht und lediglich den sicheren Platz in der Hölle zugesteht, ist keine Erfindung des gegenwärtigen iranischen Regimes. Das Haus des Friedens bzw. Haus des Islam auf der einen, auf der anderen Seite das Haus des Krieges (Dar al-Harb) – deren Bewohner sich entweder den Islam unterwerfen, ansonsten zu versklaven oder zu töten  sind –ist eine in der islamischen Welt recht verbreitete Vorstellung – mit der insbesondere  islamische Terrorgruppen wie El Kaida erfolgreich rekrutieren. Aber besonders zynisch propagierte der iranische Revolutionsführer Ajatollah Khomeini das „Harbi Konzept“: Man würde den Bewohnern des Haus des Krieges – den Ungläubigen – einen Gefallen tun, wenn man sie tötet, dann hätten sie zu Lebzeiten weniger Zeit Sünden zu begehen, für die sie im Jenseits bestraft werden würden.

Wenn man die Fakten zum iranischen Regime und dessen religiöser Ideologie kennt, muss man nicht zur politischen Hysterie neigen, um die Vorstellung beängstigend zu finden, dass ein Regime, versunken im religiösen Endzeitwahn und besessen von Vernichtungsphantasien in naher Zukunft über Atombomben verfügt.

Beängstigend ist angesichts der Gefahr aber auch die mit einer weitgehenden Realitätsverweigerung gepaarte Gleichgültigkeit in Europa: Während sich die politischen Entscheidungsträger zu mehr oder weniger zahnlosen Sanktionen durchringen, herrscht in der Öffentlichkeit vor allem Desinteresse. Viele Österreicher und Deutschen sehen in Obama offenbar die größere Bedrohung für sich und den Weltfrieden. Die Medienberichterstattung ist wie so oft bei außenpolitischen Themen jenseits aller Realität: Kaum ein Journalist, der sich auch nur in Ansätzen mit der Ideologie des iranische Regimes auseinandersetzt, selbst einfachste Recherchen bei Google und Wikipedia sind den „Experten“ zu viel. Besser nichts zu wissen, dann muss man auch nichts darüber schreiben.

In Deutschland und Österreich, wo sich viele von Fukushima mehr betroffen fühlen als die Menschen in Japan, wo man es offenbar auch für nicht ausgeschlossen hält, ein Tsunami könnte jederzeit über die Alpen schwappen, ist die Gleichgültigkeit gegenüber dem iranischen Atomprogramm besonders absurd. Ein Castor-Transport oder auch ein Bahnhof in Stuttgart mobilisiert zehntausende Demonstranten, die demonstrieren als ginge es um Leben und Tod. Die Atombomben eines Regimes, welches „Ungläubigen“ das Lebensrecht abspricht, schürt vor allem Besorgnis vor der „Kriegstreiberei“ der bösen Amis und Israelis;  insbesondere letztere würden sich ja ganz unbegründet aufregen, so die herrschende Meinung  – Versprechen von Politikern könne man schließlich nicht glauben,  das sollten auch die Israelis wissen , beim routinemäßige Versprechen Ahmadinejads Israel zu vernichten.

Politisch kann ich mir die Realitätsverweigerung weiter Teile der europäischen Meinungsmacher schon lange nicht mehr erklären. Vielleicht muss man dafür aber auch eher einen psychologischen Zugang wählen. Dann könnte man vermutlich eine Art Stockholm-Syndrom diagnostizieren: Nein, die Islamisten, die einen für 72 Jungfrauen auch gerne mal in die Luft sprengen; Karikaturisten und Schriftsteller ganz selbstverständlich mit dem Tod bedrohen und feuchte Träume von Atombomben haben, seien zwar auch keine Sympathieträger, aber immer noch besser als diese Weltpolizisten von jenseits des Atlantiks – so offenbar die mehrheitsfähige Haltung von Links bis Rechts, vom Stammtisch bis zum Feuilleton.

Im Fall des Irans ruht daher die Hoffnung allein darauf, dass die USA und Israel das Richtige machen – was das ist, weiß ich nicht – aber man kann sicher sein, was immer es auch ist, die Besserwissen in Europa werden lautstark sein.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Die Medien und der Nahostkonflikt

Eine der ganz großen schwarzen Löcher in der Außenpolitik-Berichterstattung österreichischer (und auch vieler deutscher) Medien, im Sinne davon, dass in den „Analysen“ die Realität und Fakten fast schon naturgesetzmäßig verschwinden, ist die Berichterstattung über Israel und den Nahostkonflikt.

Auch ich hatte früher das Bild vor Augen, dass im Nahostkonflikt eine hochgerüstete, meist aggressive Militärmacht mittellosen, steinewerfenden Palästinenser gegenübersteht. Dieses Bild hat sich, nachdem ich beruflich viel mit der islamischen Welt zu tun hatte, deutlich geändert. Heute steht für mich mit Israel ein kleiner Staat dutzenden gewaltbereiten Regimen und hunderten Millionen Menschen, denen von klein auf der Hass gegen Israel indoktriniert wurde, gegenüber. Die einzige rechtsstaatliche Demokratie im Nahen Osten, in der Christen Religionsfreiheit genießen, die auch über 60 Jahre nach ihrer Gründung jeden Tag aufs neue ihr Existenzrecht gegenüber den Vernichtungswahn verbrecherischer Regime und wahnwitziger Ideologien verteidigen muss.

Wenn die Medien Umfragen zum Nahostkonflikt zitieren, verschweigen sie die aussagekräftigsten: 75 % der Palästinenser unterstützen Selbstmordanschläge gegen israelische Zivilisten, 72 % hatten nach 9-11, im Jahr 2003, großes oder sehr großes Vertrauen in Bin Laden.

Der populärste islamische Fernsehprediger Al Quardawi, der auf Al Jazeera jede Woche bis zu 60 Millionen Zuschauer erreicht, preist Hitler als Gesandten Gottes und  den Holocaust als gerechte Strafe Gottes für die Juden. Für Al Quardawi als auch für die führenden Geistlichen der renommierten islamischen Al Azhar Universität in Kairo ist die Ermordung israelischer Frauen und Kinder der sichere Weg ins Paradies (und zu 72 Jungfrauen).

Israel ist ein Land ca so groß wie Niederösterreich (oder Hessen), an manchen Stellen nicht breiter als 10 km. Israel hat in den jüngerer Vergangenheit zweimal Land freiwillig zurückgegeben: Der Abzug aus dem Südlibanon  wurde mit dem Terror der Hisbollah bestraft, der Abzug aus dem Gaza Streifen mit dem Terror (über zehntausend Raketen) der Hamas.

Ich habe viel Kontakt mit Menschen aus der arabischen Welt, die meisten sind gute Menschen und einige sehr gute Freunde. Aber alle sind in Sachen Religion und Politik leider völlig unaufgeklärt und die „Realität“ der islamischen Welt basiert ausschließlich auf Verschwörungstheorien, die den Hass gegen Israel (und den Westen) schüren. So ist dann auch für einen ägyptischen Bekannten, der seit Jahrzehnten in Österreich lebt und Akademiker ist, Israel nicht nur für Siedlungsbau, sondern auch für Krebs, Aids, Tsunamis und Erdbeben verantwortlich –  so verwundert es auch nicht, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen in Ägypten für eine sofortige Auflösung des Friedensvertrages mit Israel ist.

Selbst wenn es keinerlei Besatzung gebe und Israel sich auf einen Strandabschnitt in Tel Aviv beschränken würde, würde sich am Vernichtungswahn der islamischen Welt gegenüber Israel nichts ändern. Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, dass arabische Israelis mehr Bürgerrechte genießen als Araber in irgendeinem arabischen Land, und auch nicht das Palästinenser eine höhere Lebenserwartung und geringere Kindersterblichkeit aufweisen als Türken und Ägypter.

Und so gilt leider nach wie vor. Wenn Israel die Waffen niederlegt gibt es morgen kein Israel mehr, wenn die Araber die Waffen niederlegen gibt es morgen Frieden.

Und im Übrigen tut man auch den Palästinensern und den Muslimen keinen Gefallen, wenn man als Europäer, auch noch bestätig, was ihnen bereits im Kindergartenalter einindoktriniert wird – dass Israel für all ihre Probleme verantwortlich sei. Denn dadurch lenkt man von den eigentlichen Ursachen der Probleme der islamischen Welt ab: Den autoritären Regimen und den islamischen Führern mit ihrer Ideologie aus dem 7. Jahrhundert, die Israel als Sündenbock bitter nötig haben, um von ihren Verbrechen und Versagen abzulenken.

Update: Pat Condell, einer meiner Lieblings-Youtuber, bringt die Sache auf den Punkt: The Great Palestinian Lie.

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Ägypten: Vom arabischen Frühling in den islamischen Winter

Als einer der Ägypten kennt und einige gute ägyptische Freunde hat muss ich leider feststellen, dass die Hoffnung, dass sich in Ägypten sowas wie eine rechtsstaatliche Demokratie, die Menschenrechte respektiert, durchsetzt, zumindest für absehbare Zeit verschwindend klein ist. Viel realistischer ist leider, dass dem arabischen Frühling ein langer islamische Winter folgt.

Das liegt daran, dass viele Ägyper zwar gute, freundliche Menschen sind, aber in Sachen Politik und Religion die große Mehrheit der Bevölkerung völlig unaufgeklärt ist und seit Jahrzehnten, wenn nicht  seit Jahrhunderten, politisch rationales Denken, wie im Großteil der arabischen Welt, Tabu ist. Das hat sich in den letzten Jahren durch Satellitenfernsehsender, die dutzendfach die islamische Propaganda aus Saudi Arabien und anderen islamischen Ländern senden, finanziert mit Milliarden Petrodollars, noch verstärkt, was man auch daran sieht, dass sich der Anteil an kopftuchtragenden und vollverschleierten Frauen in Ägypten in den letzten Jahrzehnten vervielfacht hat.

Die offizielle Politik, sowohl von Regierung als auch von Opposition, und auch die Medienberichterstattung basiert so gut wie ausschließlich auf Verschwörungstheorien: Da ist dann Israel (bzw. die USA) nicht nur für den Siedlungsbau verantwortlich, sondern für wirklich für Alles: Krebs, Aids, Tsunamis, Erdbeben etc., selbst unter dem vergleichsweise „prowestlichen“ Mubarak war das schon so. Es ist erschreckend und ziemlich deprimierend zugleich, wenn mir ägyptische Bekannte, allesamt Akademiker, wie selbstverständlich erzählen, Friede könne es nicht geben, da Israel in den letzte Jahren Millionen Ägypter mit Krebs und Aids ermordet hätte.

Immer häufiger werden auch die christlichen Kopten Opfer von Verschwörungstheorien, was bereits wiederholt zu Gewaltausbrüchen mit dutzenden Toten und abgebrannten Kirchen geführt hat. Die Verschwörungstheorien werden wie am Fließband produziert, um von den wahren Schuldigen für die zahlreichen realen Probleme in Ägypten abzulenken: den korrupten Regierenden und Beamten und den religiösen Eiferern, die ihr Weltbild des 7. Jahrhunderts propagieren.

Da auch die Muslimbrüder, mit ihrem Weltbild von vorvorgestern, kein einziges der Probleme in Ägypten lösen werden, ist zu befürchten, dass sie, bevor ihr Scheitern für alle Ägypter zu offensichtlich wird, die Märtyreroption wählen, den Friedensvertrag aufkündigen und sich in einen Krieg mit Israel flüchten. Möglich auch, dass das derzeitige Militärregime ihnen zuvorkommt und um einen wahrscheinlichen Machtverlust nach den Wahlen zu verhindern und wieder einmal für ein paar Jahrzehnte einen Ausnahmezustand verhängen zu können, die Kriegsoption wählt.

Leider fiebern auch in der ägyptischen Bevölkerung nicht wenige, nach Jahrzehnten der Propaganda – trotz Friedensvertrag –wenig verwunderlich, einen Krieg gegen Israel entgegen. Immerhin sind alle Ägypter, die ich kenne absolut überzeugt, dass sie bereits den letzten Krieg gegen Israel (Yom Kippur Krieg) überlegen gewonnen haben, und nur dunkle Verschwörungen ihren Triumph schmälern, einem neuen Krieg also nicht entgegensteht. Wer die Wahrheit kennt, weiß natürlich, dass es anders war. Und so werden vermutlich viele Ägypter als auch viele europäische Kommentatoren vom Traum eines arabischen Frühlings bald ernüchtert aufwachen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized